Der Neubeginn nach 1950

Personalaufbau und Bauprojekte

Nach Kriegsende wurden die Verhältnisse in der Heil- und Pflegeanstalt Winnenden nur langsam erträglicher. Der Festsaal des Schlosses musste von Januar 1946 bis Oktober 1947 in ein so genanntes Quarantänelager für durchziehende Ostflüchtlinge umfunktioniert werden und tageweise galt es, bis zu 150 Menschen zusätzlich aus der Anstaltsküche zu versorgen.

Mit einer allmählichen Entspannung in der Personalsituation konnte man die Herausforderung des höchsten Belegungsstands seit Bestehen der Anstalt wenigstens teilweise meistern (1950 waren durchschnittlich 813 Betten belegt).

Angesichts der Vielzahl an traumatisierten Flüchtlingen und Kriegsrückkehrern war die Nachfrage nach psychiatrischer Versorgung in der Nachkriegszeit enorm.
Zahlreiche bauliche Instandsetzungsarbeiten und gebäudetechnische Modernisierungen konnten die Unterbringungsqualität in der Heilanstalt in den folgenden Jahren deutlich verbessern.

Zur besseren Versorgung wurden auch bauliche Veränderungen finanziert: Röntgenabteilung, eigenes Labor und eine Zahnstation wurden 1951 eröffnet und die Nordfassade des Schlosses 1952 renoviert.
Auch die Einrichtung von Krankenpflegeschulen an den Psychiatrischen Landeskrankenhäusern in Baden-Württemberg war ein wichtiger Schritt, der auch in dem ab 1953 als „Psychiatrisches Landeskrankenhaus Winnental“ geführten Haus zu einer fachlich qualifizierteren Patientenversorgung beitrug.

Einführung von Psychopharmaka

Die erste Versammlung württembergischer Psychiater nach dem Krieg im Jahr 1948 stand ganz im Zeichen eines wieder- erwachenden Interesses an dem Fach. Verstärkt wurde diese Aufmerksamkeit für die Psychiatrie durch die Einführung psychopharmakologischer Behandlungsmethoden Anfang der 50er Jahre.

 

Antipsychotika, Antidepressiva oder Stimmungsstabilisatoren eröffneten neue Therapieperspektiven für viele der psychiatrischen Krankheitssyndrome.

Als Folge einer kritischen Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen psychischer Erkrankungen entstand bald eine „soziale“ Psychiatrie. Die Hinterfragung der bis dahin vorherrschenden „biologischen“ Denkmuster mündete ab den 1960er Jahren in eine antipsychiatrische Bewegung. Im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte stand die Frage einer angemessenen Versorgung innerhalb und erstmals auch außerhalb der klinisch-stationären Versorgung sowie die gesellschaftliche Reintegration psychisch Kranker.

Begleittherapie

Nachdem 1965 erstmals heute anerkannte Begleittherapien, wie Musiktherapie und Arbeitstherapie in das therapeutische Spektrum der Psychiatrischen Versorgung in Winnenden aufgenommen worden waren, wagte man 1966 mit der Eröffnung einer Tagesklinik einen Modellversuch in Baden-Württemberg.