Erste Reformansätze in der Psychiatrie

Nach dem Tod Albert Zellers übernahm dessen Sohn Dr. Ernst Zeller 1878 die Leitung des inzwischen in „Königliche Heil- und Pflegeanstalt Winnenthal“ umbenannten Hauses bis zum Jahr 1900. Mit dem neuen Statut war die Anstalt nun offen für heilbar und für unheilbar Kranke.

Mit der Erweiterung des Auftrags für die Anstalt wollte man dem steigenden Bedarf an Langzeitbetten für psychisch Kranke begegnen. Doch nach kurzer Zeit schon waren die Kapazitäten ausgeschöpft, die Überbelegung wurde zum Problem und zum Stein öffentlichen Anstoßes.

Vor dem Hintergrund der fortschrittlichen Sozialgesetzgebung Bismarcks fand zum Ende des 19. Jahrhunderts erstmals eine kritische Auseinandersetzung mit der Versorgung psychisch Kranker statt. Auch die Qualität der Pflege die Qualifikation der „Wärter“ standen zur Debatte.

Das Anstaltspersonal um 1900

Das Anstaltspersonal um 1900

Zum Anstaltspersonal zählten statutengemäß der Direktor, Sekundär- und Oberärzte, Anstaltsärzte und Assistenzärzte mit Volontärärzten und Medizinalpraktikanten, der Ökonomieverwalter und der Buchhalter, der evangelische und der katholische Anstaltsgeistliche, der Anstaltslehrer, Oberwärter und Oberpfleger sowie Oberwärterinnen und Oberpflegerinnen.

1895 wurden wichtige Reformen eingeleitet, darunter die Personalerweiterung, Gehaltserhöhungen, Reduzierung der Maximalbelegung und zwei Visitationen pro Jahr durch ein Medizinalkollegium sowie die Abschaffung von Zwangsmitteln.Um die Jahrhundertwende wurde die Heilanstalt auf 600 Betten erweitert. 1910 wurden ein neuer Frauenpavillon und ein Männerpavillons in Betrieb genommen.

 

Unter der medizinischen Leitung von Dr. Heinrich Kreuser (1902-1917), der nach einer kurzen Amtszeit auf Dr. Theodor Geßler (1900-1901) folgte, wurde in der Anstalt im Jahr 1902 eine landwirtschaftliche Kolonie mit Viehhaltung eröffnet, die bis 1975 eine weitgehende Selbstversorgung ermöglichte.