22.10.2020 | Pressemitteilung

Wir sind keine Ehrenpflegas

Fotomontage: Die Jugend- und Ausbildungsvertretenden des Klinikums Schloß Winnenden mit klarer Haltung zur Kampagne (v.l.n.r.): Sofie Kohly, Robin Lohmann und Jasmin Rinnebach.

ZfP Klinikum Schloß Winnenden distanziert sich von fiktiver Miniserie des Bundesfamilienministeriums

„Nicht über die Pflege reden, sondern mit“, sagt Cornelia Cantiani, Leiterin Ausbildungswesen Pflege im ZfP. Die Miniserie stelle eine Herabwürdigung der Pflegeberufsgruppen dar und zeige deutlich, dass Pflegende dringend ein Mitbestimmungsrecht über ihre eigenen beruflichen Belange bräuchten. Die fachlichen sowie persönlichen Kompetenzen und Besonderheiten der Ausbildung würden in der Serie nicht ansprechend dargestellt.

Auch Klaus Kaiser, Pflegedirektor, sieht die Kampagne kritisch „Die Kampagne spiegelt nicht das für die Pflege erforderliche Berufsethos wider, ohne das ein Handeln zur Betreuung und Pflege von Schutzbefohlenen auf zwischenmenschlicher Ebene nicht gelingen kann. Ethische Grundsätze und Werte machen den Beruf besonders, da sie auf Toleranz und Verständnis aufbauen und jeden Menschen in seiner Individualität achten. Diese Werte benötigt der Beruf auch dringend weiterhin für die Zukunft. Auch wenn die Mini-Soap für Jugendliche amüsant oder cool anzusehen ist -  sie ist durchzogen mit falschen Darstellungen und spricht die falsche Klientel für den Beruf an. Pflegen kann und soll nicht jede*r!“

Die beiden sind mit ihrer Meinung nicht alleine. Die Miniserie ist Teil der Kampagne „Mach Karriere als Mensch“ des Bundesfamilienministeriums und möchte junge Leute auf unkonventionellem Weg über den Pflegeberuf und die neue Pflegeausbildung informieren. Die Reaktionen schlagen im Netz hohe Wellen, auch im ZfP. Daher hat das ZfP kurzfristig die potentielle Zielgruppe – die jungen Leuten – sowie Pflegeerfahrene befragt. Das eindeutige Fazit: „Wir sind keine Ehrenpflegas“.

Die Rückmeldungen der ZfP-Auszubildenden und Jugend- und Ausbildungsvertretenden (JAV) gingen von „Wir werden so hingestellt als wären wir total blöd“ über „Mich hätte man mit dem Clip eher abgeschreckt“ zu „Ich empfinde die Kampagne zum Fremdschämen. Hiermit kann kein qualifiziertes Personal für die Pflege gewonnen werden“.

„Die Serie tritt alle Pflegenden mit Füßen, sie untergräbt die professionelle Haltung, die Fachlichkeit und die sozialen Kompetenzen, sie ist eine Ohrfeige für alle Pflegenden“, sagt die langjährige ZfP-Pflegeexpertin Mandy Rosol. „Jeder, der sich für die Pflege entscheidet, entscheidet sich für einen komplexen, hochspezialisierten Beruf mit einer hohen Berufsethik. Ein Beruf, der mit Fachsprache und Professionalität überzeugt . Es ist ein schöner, oft sehr anstrengender Beruf, der aber auch so viel Freude bringen kann, an dem man wachsen und reifen kann. Wer sonst hat das Privileg so nah am Menschen zu arbeiten und ihn nicht nur zu pflegen und zu helfen, sondern auch zu begleiten in Freud und Leid?“.

Die Ausbildung fordere zwar tatsächlich so einiges von den jungen Leuten, die positiven Aspekte überwiegen aber ganz klar, führt Cornelia Cantiani weiter aus. „In der generalistischen Ausbildung werden sie für die Pflege von Menschen in den unterschiedlichen Bereichen des Gesundheitswesens und in allen Lebensphasen qualifiziert. Zum Beispiel in der Langzeitpflege im Pflegeheim oder der ambulanten Pflege, im Akutkrankenhaus, der Psychiatrie oder Pädiatrie. Sie erwerben berufliche Kompetenzen, die sie zur Versorgung vom Kind bis zum alten Menschen befähigt. Junge Frauen und junge Männer, die Interesse an Medizin und Pflege haben, Empathie, Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität und Teamgeist mitbringen, können gern mit uns in die Ausbildung zur/zum Pflegfachfrau/Pflegefachmann starten.“