Die Geschichte des Hauses 

    

Das Zentrum für Psychiatrie blickt auf eine lange Geschichte zurück

Das alte Schloss Winnenthal

Der Mops von Winnenden

 

"Ziemlich im Zentrum des Landes gelegen, allem Verkehr leicht zugänglich, bietet Winnenthal doch diejenige Abgeschlossenheit von der geräuschvollen Außenwelt, welche auf seelisch Kranke so wohltätig wirkt. Die Lage in einer Ausweitung des Zipfelbachtals eröffnet einen anziehenden Blick auf fast immergrüne Wiesenflächen, welche umrahmt von den sanften Formen einer mäßig ansteigenden, größtenteils bewaldeten Hügelkette ein angemessenes Bild stillen Friedens, unbehelligt von aufregenden äußeren Einflüssen darstellen."

Für den Referenten des Medizinalkollegiums Köstlin war die Entscheidung anno 1829 klar: In Winnenden, Hort des "stillen Friedens", sollte die neue Heil- und Pflegeanstalt des Landes sein. 1834 war es dann soweit: Dr. Albert Zeller wurde mit der Leitung der Anstalt beauftragt. Zeller prägte mit seiner Arbeit in Winnenthal die Entwicklung der Psychiatrie in Deutschland. Zwangsmaßnahmen, damals üblich in der Psychiatrie, verbannte er weitgehend aus seinem Hause. Er setzte auf die Freiheit des Menschen, vertraute auf die Vernunft und erhoffte sich Besserung durch die Ausübung lebenspraktischer Fähigkeiten.

"Der Wahn der meisten Verrückten ist ein glücklicher und nur der Widerspruch mit der Wirklichkeit erzeugt zuweilen Unmuth und Traurigkeit; viel seltener ist er an und für sich peinlicher Art für den Kranken, in der Regel ist er sein höchstes Kleinod und seine Glückseeligkeit." Zeller hatte berühmte Mitstreiter. Der bekannte Psychiater Wilhelm Griesinger arbeitete mit ihm in der Anstalt. Von ihm stammt das wegweisende Lehrbuch: "Zur Pathologie und Therapie der psychischen Krankheiten".

Und in Winnenthal lebten auch berühmte Patienten: Der Dichter Nikolaus Lenau und der Arzt und Physiker Robert Maier sollten hier in aller Abgeschiedenheit wieder zu sich finden. In Winnenthal verbrachte freilich auch Ernst Wagner seine letzten Jahre. Er ging in die Psychiatriegeschichte als der Massenmörder Wagner ein. Die Behandlungskonzepte änderten sich im Laufe der Zeit und auch die äußeren Umstände passten sich diesem Wandel an. Immer wieder wurden die Gebäude in Winnenden erneuert und neue kamen hinzu. Die Zahl der Patienten wuchs ständig. Um 1900 waren es 300 Menschen, die in der Anstalt versorgt wurden, um 1930 schon 600, heute sind es 400 Patienten.

Die Zeitgeschichte hinterließ ihre Spuren. Kriege, Hunger und vor allem die nationalsozialistische Diktatur führten zu unbeschreiblichem Leid und zum Tod vieler Anstaltspatienten. Die Nationalsozialisten töteten rund 400 Patienten aus Winnenden. Folge der so genannten Euthanasieaktion. Wie viele Menschen dem Hunger und der Vernachlässigung zum Opfer fielen, bleibt ungeklärt, Die Nachkriegszeit beendete das Töten. Doch es dauerte bis in die 60er Jahre, bis sich die Versorgung der Psychiatriepatienten grundlegend änderte. Ein tief greifender Wandel setzte ein. 1971 wurde aus der ehemaligen Heilanstalt das moderne Psychiatrische Landeskrankenhaus. Im Jahre 1996 änderte sich die Rechtsform des Krankenhauses in eine Anstalt des öffentlichen Rechts und das PLK wurde in Zentrum für Psychiatrie (ZfP) umbenannt.

 Lenau-Gedicht:

"S'ist eitel nichts, wohin mein Aug ich hefte!

Das Leben ist ein vielbesagtes Wandern.

Ein wüstes Jagen ist's von dem zum andern,

Und unterwegs verlieren wir die Kräfte.

Ja, könnte man zum letzten Erdenziele

Noch als derselbe frische Bursche kommen,

Wie man den ersten Anlauf hat genommen,

So möchte man noch lachen zu dem Spiele.

Doch trägt uns eine Macht von Stund zu Stund,

Wie's Krüglein, das am Brunnenstein zersprang,

Und dessen Inhalt sickert auf den Grund,

So weit es ging, den ganzen Weg entlang.

Nun ist es leer, wer mag daraus noch trinken?

Und zu den andern Scherben muß es sinken."